Wie gewachsen

Eine runde Sache: Im kambodschanischen Phnom Penh wölbt sich eine Schalenkonstruktion zu einem eindrucksvoll geformten Pavillon. Die komplexe Form basiert auf einem einfachen Material – konstruiert ist der Hingucker aus Bambus.

Lokale kambodschanische Bautradition wird in „Camboo“ mit den Möglichkeiten digitaler Formfindung verheiratet: Fast ausschließlich aus Bambus besteht der Pavillon, den das italienische Designstudio LUCA POIAN FORMS für das internationale Bambus-Festival 2017 in Phnom Penh entworfen hat.

Die hohe Biegsamkeit und Zugfestigkeit des natürlichen Materials wird in Form einer futuristisch anmutenden Gitterschale ausgereizt. Diese beschreibt eine sogenannte Enneper'sche Minimalfläche, deren Vorteil darin liegt, dass sie selbsttragend ist.

Nichts ist überflüssig – jedes Bauteil trägt zum konstruktiven Zusammenhalt und zu der hohen Steifigkeit der Gitterschale bei. Randträger, Pfetten und drei Hauptträger in jeder Achse bilden das Grundgerüst, die Dachhaut ist aus gespaltenem Bambus. Durch die Konstruktion des Leichtbaus werden Scherkräfte weitgehend eliminiert, die selbsttragende, in sich steife Schale ruht auf nur vier Fußpunkten.


Vorhandenes verwandeln

Mit Camboo bewegen sich die Designer innerhalb des ethnografischen Kontexts – und transformieren die lokale Bautradition mit Hilfe intelligenter digitaler Werkzeuge zu etwas Neuem. Dabei minimiert der Bambus als nachwachsender und lokal verfügbarer Rohstoff den CO2-Fußabdruck. Die Low-Tech-Konstruktion kann – obwohl die Form komplex ist – einfach und in einzelnen Teilen erstellt werden, die später zusammengefügt werden.

Organisch in seiner Form und seinen Bestandteilen setzt der Pavillon damit ein Statement in Bezug auf Nachhaltigkeit, das auch ärmeren Gemeinden mit begrenzten Ressourcen die Option auf moderne Architektur mit einfachen Mitteln eröffnet.