Früher war ich ein Tennisball

Not macht bekanntlich erfinderisch. Aus was stellt man also eine bequeme Sitzgelegenheit her, wenn man auf die Verwendung neuen Materials verzichten möchte? Zum Beispiel aus ausrangierten Tennisbällen. Die Ergebnisse des 7. Deutschen Recycling Designpreises zeigen, dass Recycling kreativ macht – und nebenbei innovative Ansätze für neuartige, vielseitig einsetzbare Materialien generiert.

Ob Kleidung, Möbel, Stadtmobiliar oder Besteck – die 500 Teilnehmer/Innen aus 17 Ländern zeigten, dass man wahrhaft Neues kreieren kann, wenn man der Kreativität freien Lauf lässt. Eine besonders „bequeme“ Idee reichte Lisa Plöckl ein: „second game“ gibt Tennisbällen eine zweite Chance und funktioniert sie zu Sitzmöbeln um. Zuerst mit entsprechenden Löchern versehen, werden die Bälle im Folgenden mit der Peyote-Technik (freie Webtechnik) über einen Faden miteinander verwoben. Lisa Pöckl bietet drei verschiedene Kreationen an, die zum Verweilen einladen: eine Auflage, die z.B. draußen über Betonstufen gelegt werden kann, einen Hängesitz, der einen Handlauf als Unterstützung braucht und eine Sitzkugel. Die Filzoberfläche und die durch die Lochung nachgiebiger gewordenen Bälle bieten echten Sitzkomfort. Und das Neongelb der Bälle zeigt Signalcharakter.


Mutige Materialexperimente

Ein weiterer überzeugender Beitrag: Das Projekt MATERIAL PERSPECTIVES eröffnet wahrhaft neue Perspektiven wenn es um das Recycling von Abfall- und Nebenprodukten aus dem Kreislauf der Holzproduktion geht. Sara Mayr aus Wien experimentierte und fand heraus, dass sich im Besonderen Holzasche und Sägespäne für das Recycling bewähren. So entstehen zum Beispiel aus Waldhackgut und Fichtennadeln Plattenmaterialien. Ein weiteres Ergebnis Ihrer Experimente: Aus Sägespänen und Sägemehl lässt sich ein leicht zu verarbeitendes Gemisch herstellen, das sich gut in Formen pressen lässt und so zu wohl geformten Sitzflächen für Hocker oder Stühle wird. Auch zum Thema Akustikdämmung fand Mayr eine Lösung: Ein aus Holzasche neu entwickeltes Material bringt aufgrund seiner offenporigen Oberfläche eine gute Akustikdämmung und kann zum Beispiel in Form von Wandpaneelen eingesetzt werden. Und sieht dabei noch gut aus: Durch die natürlichen Farbnuancen entsteht eine lebendige Ästhetik.


Letzte Ruhe für Rotorblätter

Eine Dimension weiter geht Cesare Peeren (Superuse Studios): Er benutzt ausgediente Rotorblätter, um daraus innovatives Stadtmobiliar zu schaffen. Während kleinere Rotorblätter durch gekonnte Eingriffe zu Sitzbänken werden, bieten die großen eine Vielzahl an Möglichkeiten, denn Kindern können sie auf Spielplätzen als Spielgerät, Höhle oder Kletterturm dienen.