Interior Design Konzept: Interface in Krefeld

„Der Charakter unserer Zeit soll in unseren Bauten spürbar sein. Wir wollen die Form unserer Bauten aus dem Wesen der Aufgabe heraus gestalten, aber mit den Mitteln unserer Zeit. (Mies van der Rohe)

Interface meets Bauhaus. Welcher Mittel sollte sich ein Unternehmen bedienen, das modulare, textile Bodenbeläge herstellt und an sich höchste Ansprüche in Sachen Nachhaltigkeit und Design stellt? „There has to be a better way!“ Der Firmengründer Ray Anderson hat den Menschen, die sein Unternehmen in seinem Sinne führen, mit diesem Satz eine Menge Verantwortung in die Hände gelegt. Es sollte noch besser gehen. Nachhaltiger. Ganzheitlicher. Schöner. Gesünder.


Interface meets Mies van der Rohe

Interface wird im Oktober innerhalb Krefelds seinen neuen Firmensitz beziehen. Und die Ansprüche an diesen neuen Ort sind immens. Nicht zuletzt durch die Aura des damaligen Erbauers des heutigen Business Parks: Mies van der Rohe. Für die VerSeidAG baute er in den 30ern Produktionsstätten und Nebengebäude für die Seidenindustrie. Berühmt wurde er allerdings erst einige Jahre später in Amerika – und das nicht durch gewerbliche Bauten.

Interface tritt also mit seinem Umzug in ein ehemaliges Speditionsgebäude der VerSeidAG kein einfaches Erbe an. Aber es passt! Führt man sich Mies’ Entwurfsmaximen und seine Ansprüche an Räume vor Augen, die an Geradlinigkeit, Stringenz und Vereinigung von Natur, Gebäude und Mensch kaum zu übertreffen sind, so sind die beiden auf einer Welle.

Interface. Modulare Bodenbeläge, maximale Designmöglichkeiten durch verschiedene Kollektionen und farbliche Ausrichtungen, starke biophile Designansätze, die Natur und Mensch näher zueinander bringen und letztendlich beide wohlwollend schützen wollen.


Mit jeder Faser authentisch und lebendig

Die Mittel unserer Zeit sind nicht mehr die der 30er-Jahre. Mies macht in seiner Aussage deutlich, dass Weiterentwicklung und Weiterdenken gewünscht und notwendig sind. Interface respektiert in seiner Konzeption für sein neues Zuhause das strenge Raster, nimmt sich aber auch die Freiheit es zu übertreten. Interface versperrt keine Blicke, erlaubt sich aber die Umlenkung des einen oder anderen. Interface nutzt das Gebäude vollkommen anders: als Arbeitsplatz, als Ideenschmiede, als Aufenthaltsort – eben als Living WorkPlace. Lebendigkeit ist das Stichwort: Bewusst wird auf einen passiven Showroom verzichtet, in dem nur gezeigt und gesehen wird. Stattdessen entsteht ein Büro für die Interface-Mitarbeiter, das als echte Arbeitswelt von den Kunden erfahren, erfühlt und erschlossen werden kann. Ein integratives Konzept mit einem authentischen Innenleben. Gleichzeitig wird der neue Standort ein „Customer Experience Hub“, der durch Veranstaltungen und Workshops belebt und erlebt werden kann. Nicht zuletzt können sich interessierte Kunden über Interface-Produkte und -Themen informieren – und das Erbe von Mies erspüren.

Damit Externe in die Interface-Arbeitswelt eintauchen können, ohne dass Störfaktoren für die Mitarbeiter entstehen, hat man Zonierungen geschaffen: Öffentliche, halb-öffentliche und private Bereiche im hinteren Gebäudeteil sind im Grundriss so definiert, dass konzentriertes Arbeiten ebenso möglich ist wie lebendige Workshops.

Im Erdgeschoss wird ein Rundgang um das Raumzentrum, die Treppe, geschaffen: Meet & Greet-Bereiche in der öffentlichen Zone laden zum Verweilen oder kurzen informellen Meetings ein. Der Rundgang führt weiter ins Untergeschoss, wo man noch tiefer in die Produktwelt von Interface eintauchen kann. Am Kollektionstisch können Fliesen und Skinny Planks intensiv erkundet werden, ein Kino bietet Raum für Präsentationen.


Die Architektur: Wasser rauscht, Pflanzen wachsen

Eine Innentreppe verbindet neuerdings das Erdgeschoss mit dem Untergeschoss. Diese vertikale Erschließung bildet ein neues Zentrum innerhalb der 650 Quadratmeter. Die Grundlagen des architektonischen Entwerfens beinhalten, ebenso wie die „14 Patterns of Biophilic Design“ von Terrapin Bright Green, an denen sich Interface orientiert, übereinstimmende raumbildende Aspekte. So wird dem Ort, dem Gebäude und dem Innenraum eine differenzierte und intensive Betrachtung zuteil, welche identitätsstiftend ist und die folgende Gestaltung bedacht und kreativ sein lässt. Der Mensch steht im Mittelpunkt, stets aber auch die Tatsache, dass es sich mit Bezug zur Natur oder umgeben von natürlichen Elementen besser leben lässt. Diese Tatsache führt unweigerlich zu dem Ziel, Natur und Umwelt zu schützen – oder ansatzweise wieder zu heilen. Deshalb rauscht im Zentrum eine Wasserwand, die das Nass im Treppenraum über die vollen zwei Geschosse fallen lässt – und der Besucher erspürt mit allen Sinnen das Rauschen, die feuchte Kühle und die organische Bewegung des Wassers. Als natürliche Nachbarn siedeln sich, ebenfalls die Höhe des Treppenraums nutzend, Pflanzen an.


Biophilic Design ist die Basis

Interface hat sich die Prinzipien des Biophilic Design zu eigen gemacht. Die „Liebe zum Leben“ überträgt sich auf alles Handeln: das Design der Produkte – und die Möglichkeiten, die man eröffnet, wenn man Innenräume mit modularem Bodenbelag von Interface gestaltet. Der neue Firmensitz ist Experimentierfeld und Anschauungsobjekt zugleich: Es geht darum zu verstehen und zu erproben, wie Biophilic Design im Raum funktioniert. Es funktioniert über Natur im Raum: über echte Natur im Innen oder über eine visuelle Verbindung zur Natur im Außen; über das Vorhandensein von Wasser. Es funktioniert über Analogien zur Natur, die alle Sinne ansprechen: über biomorphe Formen und Installationen, über natürliche, erfahrbare Oberflächen und Materialien sowie über Muster und Konturen. Es funktioniert über die Natur, sprich Charakteristik des Raums: über den Wechsel von Zonen, die Übersicht und dann wieder Schutz und Zuflucht bieten; über die Option, auch ein Risiko einzugehen – beispielsweise in Bewegungsbereichen, die Schwerkraft erfahrbar machen, einen Perspektivwechsel ermöglichen oder zur körperlichen Aktion anregen.

Die Summe der Maßnahmen überzeugt – und macht erlebbar, wie die Natur positive, regenerierende Prozesse im Menschen auslöst.


Ein spannender Kontrast: Das Mies’sche Raster trifft auf organische Formen

Interface hat sich für ein Gestaltungskonzept entschieden, das die Mies´sche Klarheit respektiert und gleichzeitig die kreative und lebendige Art des Unternehmens widerspiegelt. So ordnen sich im Erdgeschoss die Arbeitsplätze in das originale Raster ein – gleichzeitig brechen organisch geformte Funktionseinheiten für Bibliothek, Kitchenette und Lounge bewusst aus diesem Raster aus. Diese Epizentren, die das Kraftzentrum im Treppenbereich umspielen, sorgen für Verwirbelungen in der Blickachse, für eine Durchbrechung des geraden Weges, für eine filigrane, transparente und verspielte Atmosphäre. Die Grundsätze des Biophilic Design finden hierin ihre Umsetzung: Geradlinigkeit gibt es in der Natur nicht, nur organisch Geformtes. Bedruckte Glaswände um die Arbeitsbereiche und eine durch Vorhänge abtrennbare Lounge definieren Einzelbereiche, lassen den „großen“ Raum aber immer fließen. Im Untergeschoss sitzt als Highlight das Kino, auf dessen Stufen man Platz nehmen kann – oder an der hier angebrachten Sprossenwand und den Ringen zur Aktivität wechselt. In dieser Etage taucht man am Kollektionstisch in die Produktwelt ein oder nutzt den Küchenbereich für die Pause oder eine kurze Besprechung zwischendurch.

Das bewusste Auf- und Ineinandersetzen des Mies’schen Rasters und der Epizentren bringt Dynamik, aber auch Harmonie. Während die Möblierungen der einzelnen Büros geradlinig und orthogonal verlaufen und durch weiß-anthrazit-farbige Möbel für Zurückhaltung sorgen, kommen die Teppichkollektionen auf dem polierten Estrich adäquat zur Geltung. Die Epizentren erzeugen vor diesem Hintergrund durch ihre organische Form und ihre Farbigkeit inspirative Momente.

Jeder Raum, jede Zone ist ein Kleinod, dem planerisch viel Aufmerksamkeit entgegengebracht wurde und wird – und das alles basisdemokratisch mit dem Ziel, möglichst allen Mitarbeitern individuell gerecht zu werden.


Im ActiveOffice® wird sitzen zur Nebensache

Den Mitarbeitern gerecht werden heißt für Interface vor allen Dingen, dass die Büroarbeit keine negativen Auswirkungen auf die Physis (und damit auch auf die Psyche) haben darf. Mehr noch: Durch die Anwendung des sogenannten ActiveOffice®-Konzepts wird der Aufenthalt im Büro zu einer stimulierenden Aktivität. Wie das gelingt? Durch physische Dynamik. Die Dynamik im Kopf folgt zwingendermaßen. Einen „klassischen“ festen Arbeitsplatz bekommen die Interface-Mitarbeiter nicht. Dafür vielfältige Arbeitsmöglichkeiten, die je nach Bedarf für konzentriertes Arbeiten oder lebendige Teamarbeit genutzt werden können. Um starres Dauersitzen zu vermeiden, gibt es direkt an den Steh- und Sitzarbeitsplätzen weder Ablagen noch Papierkörbe – wer Unterlagen benötigt, muss aufstehen. Weitere Elemente wie Ringe, eine Sprossenwand und Schlagpolster animieren dazu, Mikroimpulse im Körper zu setzen. So wird Büroarbeit dynamisch. Nicht zuletzt durch Möbel, die sich sämtlich durch beste ergonomische Eigenschaften, Höhenverstellbarkeit und optimalen Arbeitsplatzkomfort auszeichnen.


Living WorkPlace: Leben und arbeiten und „the place to be”.

Die Interface-Mitarbeiter in Krefeld sollen sich wie zuhause fühlen. Ihnen soll die perfekte Arbeitsatmosphäre mit maximaler Flexibilität geschaffen werden und sie selbst sollen jederzeit entscheiden, ob ihnen nach Kommunikation oder Rückzug, nach entspanntem Arbeiten oder fokussierter Konzentration ist. Die durch die unterschiedliche Gestaltung der einzelnen Räume und Einheiten entstandene Heterogenität im Gesamtbild ist gewollt. Interface ist nicht einfarbig, nicht regelmäßig, nicht berechenbar und nicht langweilig – genauso wie wir dies aus unserer natürlichen Umgebung kennen. 

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