Baustellenflair am Sommerabend und ganz viel Mies

Am 8.9.2016 lud Interface Deutschland zu einem Baustellenbesuch des neuen Büros und Showrooms (oder Living WorkPlace) in Krefeld ein. Das Unternehmen zieht Mitte Oktober dieses Jahres von ihrem alten Standort in der Rote-Kreuz-Straße in Krefeld um in den Mies van der Rohe Business Park. Dieses Areal wurde 1935 von dem berühmten Namensgeber geplant und zum großen Teil auch erbaut.

30 namhafte Architekten aus der Region wurden exklusiv zu diesem Schulterblick bei bestem Wetter zu Bio-Curry-Wurst und Kaltgetränken eingeladen. Als Vortragende waren Reiner Leendertz, Eigentümer und Entwickler des Business-Parks und Prof. Hanenberg von der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur. Beide sprachen in der alten Färberei, das gerade saniert wird. Während Herr Leendertz, ursprünglich aus dem Textilgewerbe kommend und jetzt in der Entwicklung des ehemaligen Verseidag-Geländes maßgeblich aktiv, über die vergangenen Jahre seiner Arbeit sprach, zog der Professor die interessierte Zuhörerschaft mit einer bebilderten Reise durch die Planungsetappen in den 1930ern in den Bann. Er begeisterte sie durch seine unterhaltsam zusammengestellten Forschungsergebnisse an diesem geschichtsträchtigen Ort. Seit vier Jahren forscht er in diesem Gebiet mit seinen Studenten, kratzt Putz ab, zieht Schlüsse auf damals verwendete Materialien und legt baukonstruktive Details offen, die bei einigen Gebäuden klar die Urheberschaft van der Rohes belegen. Insgesamt sieht er sich und seine forschende Arbeit an und mit Plänen dieses Ortes, die allesamt im MoMa-Archiv in New York als Originale liegen, als Mittler zwischen der zuständigen Denkmalbehörde und den umbauenden und sanierenden Architekten.

Mit diesem Wissen im Gepäck ging es dann in den künftigen Showroom des Unternehmens, der auch Büro und Veranstaltungszentrum sein wird. Große Informationstafeln auf Staffeleien vermittelten den teilnehmenden Architekten ein Gefühl für das, was Mitte Oktober zum LivingWork Place wird und der nachhaltigen und biophilen Philosophie und auch dem ehemaligen Pförtnerhaus in der architektonischen Stringenz seiner Architektur Rechnung tragen wird. Das Pförtnerhaus (heute: Speditionshaus) hat Erich Holthoff, Leiter der Bauabteilung der VerSeidAG geplant. Mies selbst hatte ursprünglich eine erhebliche Erweiterung des Areals im Sinn: Eine Spiegelung der Produktionsstätten und prägnante hochgeschossige Gebäude sollten dieses Gebiet städtebaulich einfassen und vervollständigen.

Erich Holthoff kannte Mies vom Bauhaus her und bediente sich einer Reihe von Mies´ gestalterischen und konstruktiven Mitteln – auch wenn er an einigen Stellen inkonsequenter war und von der baulichen Qualität einiger Details nicht an seinen Mentor heranreichte.

Geblieben sind stringentes Stützenraster, die großzügigen Fensterformate, Dachform und -entwässerung. Interface respektiert dieses architektonische Konzept, nimmt sich aber dennoch das Recht, durch organisch gestaltete Einbauten für sich identitätsstiftende und zeitgemäße Akzente zu setzen.

Neugierig und Professor Hanenbergs Ausführungen höchst interessiert folgend, spazierte man über staubige Estrichböden während sich alle der Herausforderung stellten, sich hier, zwischen mit Gipskarton verplankten Wänden, Kabelstrippen und offen liegenden Elektroinstallationen, ein zukünftiges Active Office® vorzustellen. Abschließend wanderte die Gruppe im Dunkeln über das Gelände und leuchtete, dem Mies Experten folgend, auf Sockeldetails, originale Putzflächen und Fensterdetails.

Die Vorfreude auf das offizielle Eröffnungsevent im November dieses Jahres im neuen Firmensitz von Interface stand allen in die begeisterten Gesichter geschrieben und es würde nicht überraschen, wenn der eine oder andere Gast zuhause eine alte, lange nicht beachtete Publikation über Mies van der Rohe und seine Bauwerke wieder mal in Augenschein nimmt.

Mies van der Rohe Business Park Galerie

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