„Sehnsucht nach Licht ist des Lebens Gebot.“ Henrik Ibsen (1828 - 1906)

Licht ist Leben: Was Henrik Ibsen literarisch so treffend ausdrückte, ist längst eine medizinisch belegte Erkenntnis. Licht kann krankmachen und zur Heilung beitragen, es kann Depressionen verstärken und zur guten Laune beitragen. Wie das?

Ist die Luft im Sommer klar, wirken bis zu 100.000 Lux auf den Körper, bei bedecktem Himmel im Winter nur etwa 3.500 Lux. Noch kleiner wird die Lichtmenge in Gebäuden bei Kunstlicht. Die Lichtmenge trägt aber entscheidend zur Steuerung der Hormone bei und wirkt somit auf das Wohlbefinden. Es geht aber nicht nur um die Lichtmenge und die Helligkeit, sondern auch um die Lichtfarbe. So weiß man mittlerweile, dass blaues Licht sich extrem auf Wach- und Ruhephasen auswirken kann. Bereits das natürliche Sonnenlichts verändert seine Farbe im Laufe des Tages. Morgens und abends ist das Sonnenlicht überwiegend rot, mittags eher bläulich. Wärmere Lichtfarben werden mit Gemütlichkeit assoziiert und fördern die Bildung des Schlafhormons Melatonin, kältere verringern den Melatoninwert und steigern die Leistungsfähigkeit. Diese Erkenntnis wird heute bei durchdachter Lichtplanung berücksichtigt. Man setzt beispielsweise im Arbeitsbereich wenig warme Lichtfarben ein. Vor allem im Nachtschichtbetrieb wird die Leistungsfähigkeit oft durch kühle Lichtfarben gesteigert.


Mehr Blau, mehr Leistung

Eine Studie mit Mitarbeitern eines Callcenters in England, deren Büros mit Lampen mit hohem Blaulichtanteil ausgestattet wurden, belegt ebenfalls die leistungssteigernde Wirkung dieses Lichtes: Die neuen Lampen hatten eine Farbtemperatur von 17.000 Kelvin – zum Vergleich: Tageslicht hat an bedeckten Tagen ungefähr 6500 Kelvin. Die Arbeitsleistung und die Konzentrationsfähigkeit der Probanden verbesserte sich nach deren Angaben innerhalb von sieben Wochen um 20 beziehungsweise 30 Prozent, während die Müdigkeit um etwa 27 Prozent abnahm.


Mehr Tageslicht, mehr Wohlbefinden

Im Zuge der Energieeffizienzdebatte war man dazu übergegangen, in Arbeitsbereichen punktuell nur eine Arbeitsfläche zu beleuchten und den Rest des Zimmers im Dunkeln zu lassen – eine Art der Beleuchtung, die schnell zu Ermüdung führt, da die Lichtrezeptoren, die die Wachheit steuern, weit verstreut auf der Netzhaut liegen. Sollen möglichst viele dieser Zellen aktiviert werden, sollte das Licht nicht punktuell, sondern großflächig und von oben im Winkel von 45 bis 90 Grad einfallen – wie Tageslicht. Dieses ist immer noch die gesündeste Lichtquelle. Daher fragen Lichtforscher längst, warum man die Schule nicht einfach später beginnen lässt und das natürliche Tageslicht nutzt.

In der Architektur gewinnt natürliches Tageslicht eine weitere Dimension. So formuliert der weltberühmte Architekt Norman Foster: „Jeder Ingenieur kann die Lichtmenge errechnen, die nötig ist, um ein Buch zu lesen. Wo aber bleibt die poetische Dimension des natürlichen Lichts: der stetige Wandel eines bewölkten Himmels, die Entdeckung des Schattens, die Leichtigkeit eines Tupfers Sonnenlichts?“

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